Fred und Cécile Zimmermann-Stiftung Wattenwil

Museum im Dorfschulhaus



Sammlungen

Walter Krebs, 1900 bis 1965

Bilder

Walter Krebs

Kindheit und Jugendjahre
Walter Krebs wird 1900 in Starrkirch SO geboren. Sein Vater stirbt früh, und so kommt Walter Krebs in seinem Heimatort Wattenwil zu Pflegeeltern in der Ryscheren.

Die Ausbildung
Walter Krebs absolviert in Lyss die Lehre als Maler. Er erwirbt sich ein fundiertes Wissen und Können, kommt mit der Lasurtechnik und dem Aquarellieren auf Holz in Kontakt und wird später sogar Geschäftsführer im Betrieb seines ehemaligen Lehrmeisters – er ist ein tüchtiger Flach- und Dekorationsmaler geworden.

Die Berufung
Gegen den Willen der Pflegeeltern entschliesst sich Walter Krebs, freischaffender Künstler zu werden. Er zieht sich in das Gebiet des Schwefelberges zurück, wo er ohne Anleitung und ohne Kunstausbildung zu malen beginnt. In ihm wächst ein weiteres Ziel heran: Nach Paris!

Die Wander- und Schaffenszeit
Dank der Unterstützung eines Gönners kann sich Walter Krebs ungefähr ein Jahr in Paris aufhalten. Er findet an der Seine jedoch nicht, wonach er sich sehnt. Seine Suche geht weiter. Es zieht ihn in die Innerschweiz, aber auch nach Neapel, Sizilien, nach Ungarn, Holland, nach Marokko, Ägypten, in die Toscana, in die Bretagne... Überall hält er die Eindrücke auf Leinwand fest – davon können über 100 Werke in sporadischen Ausstellungen im Museum in Wattenwil bewundert werden.

Walter Krebs stellt seine Gemälde an verschiedenen Orten in der Schweiz und im Ausland aus, organisiert zum Beispiel jährliche Ausstellungen im Berner Bürgerhaus, wo er auch mit Fred Zimmermann – dem späteren Stifter des Museums in Wattenwil – in Kontakt kommt.

Walter Krebs wohnt in Bern, Adelboden, am Thunersee und im Rüdli in Wattenwil. Er bleibt uns als eigenwilliger Künstler in Erinnerung - getreu seinem Charakter, in dessen Ähnlichkeit sich nicht wenige Menschen mit Wattenwiler Wurzeln wiedererkennen können.

Das Werk
Landschaften, Porträts, biblisch-religiöse Motive, das Leben und der allgegenwärtige Tod: mit kräftigen Zügen gibt der Meister seine Empfindungen preis, oft in schwermütig dunkeln Farben. Für den Betrachter sind seine Bilder manchmal schwere Kost, er muss sie immer von Neuem betrachten, untersuchen, hinterfragen. Sie drücken das aus, was die Wahrheit eben häufig ist – schwer zu ertragen. Man spürt aber auch, wie Walter Krebs dem Betrachter Kraft und Zuversicht gegen Widerwärtigkeiten vermitteln will.

Das Vermächtnis
Als Walter Krebs 14 Jahr alt ist, bricht der 1. Weltkrieg aus. Danach folgen schlimme Jahre des Umbruchs, der Weltwirtschaftskrise, des Aufstiegs der Diktaturen in unseren Nachbarländern, der 2. Weltkrieg. Als Walter Krebs 1965 stirbt, ist die Welt im Kalten Krieg erstarrt.

Wenn wir das Werk von Walter Krebs in diese weltpolitischen Umfelder setzen, erhält es eine weitere Dimension: Der Künstler erzählt uns in Bildern nicht nur die Empfindungen seines eigenen Lebens und Schicksals, sondern widerspiegelt in seinem Werk auch die oft grausame Welt, in der er lebt.

Unsere Sammlung
umfasst über 120 Werke von Walter Krebs. Sie gehörten Fred und Cécile Zimmermann-Jungo und weiteren Personen, die uns Gemälde von Walter Krebs geschenkt haben.

Adolf Niederhäuser, 1927

Bilder

Adolf Niederhäuser

Kindheit und Jugendjahre
Adolf Niederhäuser wird am 1. Juli 1927 als zweitjüngster von sechs Geschwistern in Wattenwil geboren. Sein Vater ist Zimmermann und betreibt mit seiner Frau Rosina einen kleinen Bauernbetrieb. Adolf Niederhäuser besucht die Primarschule in Wattenwil, und bereits während der Schulzeit bemerkt man sein zeichnerisches Talent. Doch für eine frühe Förderung ist die Familie zu arm.

Nach der Schulzeit muss der junge Adolf Niederhäuser zuerst mithelfen, Geld zu verdienen. Er findet eine Anstellung in der Munitionsfabrik Thun. Er beginnt, seine ersten Bilder zu malen. Wattenwiler finden Gefallen an seinen Werken, und er kann einige davon verkaufen. 1945 beginnt er eine Lehre als Maler und Schriftenmaler im Malergeschäft von Albert Fink in Thun. Er muss die Lehre unterbrechen und in die Rekrutenschule einrücken. Als Meldeläufer im Kommandostab verspürt er Freude am Laufen und beginnt ausserdienstlich mit Waffenläufen. Über 35 Jahre lang wird Adolf Niederhäuser diesem Hobby frönen, zuerst während 6 Jahren als Waffenläufer, dann als Langstreckenläufer; er wird auch einige Marathonläufe erfolgreich bestreiten.

Weiterbildung
Nach der Lehre erhält Adolf Niederhäuser eine Praktikumsstelle beim Kirchen- und Bauermalern Paul Wegmann in Thun. Gleichzeitig nimmt er Unterrichtsstunden beim Lehrer und bereits erfolgreichen Kunstmaler Paul Gmünder.

1960
Antritt der Stelle als Schriftenmaler im Berner Inselspital, die Adolf Niederhäuser bis zu seiner Pension innehält. 1969 lernt er seine spätere Ehefrau Hanni Grossenbacher kennen. Der Künstler Adolf Niederhäuser führt 1979 in Münchenbuchsee eine erste Ausstellung durch und erntet hervorragende Kritiken beim Publikum und in der Presse. Er mietet ein kleines Atelier. Unterstützt von seiner Ehefrau Hanni beginnt er, vermehrt zu malen. Nach seiner Pension entstehen vor allem Aquarelle.

Schicksalsschlag
Nach vielen gemeinsamen Jahren stirbt Hanni, mit welcher er viele Reisen im In- und Ausland unternommen hatte, und die ihn bei seiner künstlerischen Tätigkeit immer unterstützt und motiviert hat. Adolf Niederhäuser ist sehr, sehr traurig über diesen grossen Verlust. Die Freude am Malen verlässt ihn. Trotzdem lässt er sich überreden, doch noch eine Ausstellung - diesmal in Münsingen - abzuhalten. Viele Bilder stellt der Künster nicht mehr aus, zu sehr erinnern sie ihn ein seine glückliche Zeit mit Hanni. Ein paar Aquarelle, voller Trauer und Schmerz, malt er nach ihrem Tod doch noch.

Ein eindrückliches Gesamtwerk
Sein Sohn Robert Niederhäuser schreibt zum Werk seines Vaters, rückblickend an die Ausstellung von 1979 in Münchenbuchsee:

"Noch zweihundert Gemälde und andere Kunstwerke hat Adolf Niederhäauser nach dieser ersten Vernissage vor 35 Jahren erschaffen. Viele Tausende von Stunden hat der Künstler während seiner Freizeit in seinem Atelier verbracht. Sein Gemälde regelmässig ausstellen wollte er nicht, weil er seine Zeit anders nutzte. Das Malen war für ihn vielmehr wie ein Spiegel der vielen Reisen, die er immer zusammen mit seiner Ehefrau Hanna in der Schweiz und im Ausland unternahm. Vor allem Süditalien und Frankreich hatten es ihnen angetan.

Bei Reisen in der Schweiz nahm er so oft es ging seine Farben und seine Reisestaffelei mit, um vor Ort zu malen. Im Ausland photographierte er viel, um anschliessend die besten Eindrücke zu malen, so, wie er sie sah. Zuhause, in seinem Atelier, arbeitete der Künstler zudem immer wieder an Kopien alter, bekannter Meister wie A. Anker, K. Grob, J. K. Stieler und anderen. Diese Bilder, die er auch kunstvoll einrahmte, widmete der Künster vor allem seiner geliebten Hanni.

Die Bauernmalerei, das Malen von Spanschachteln, die seine Frau jeweils wunderschön mit Stoff auskleidete, das Kerzenmalen und das Gestalten von Acrylbildern, die er mit Blattgold verkleidete, waren auch immer wieder Teil seines Schaffens. Doch am liebsten malte der die Natur, alte Bauernhäuser und Tiere. Vor allem Pferde, die damals für die Bauern unersetzlich waren. Viele einsame Wanderungen in seinen jungen Jahren zu seinem Verwandten im Gurnigelgebiet, dem Alphirt Werner, hatten ihm die Augen dafür geöffnet. Meistens hatte er schon damals seine Staffelei und die Farben über den Rucksack gepackt dabei."